Earthbound — In Dialogue with Nature
Artists

Marcus Maeder

«Edaphon Braggio», 2019

Die schwarze Holzplatte zeigt den Umriss des von Menschen genutzten Gemeindegebiets von Braggio, eines kleinen Bergdorfs im Calancatal/Graubünden (Schweiz). Heulende, rumpelnde und brummende Geräusche bringen die Platte zum Klingen. Die Installation ist Teil der langjährigen wissenschaftlichen und künstlerischen Forschung des Künstlers Marcus Maeder zur akustischen Erforschung und Messung der Boden-Biodiversität. Edaphon bezieht sich auf den vom österreichischen Mikrobiologen Raoul Heinrich Francé geprägten Begriff für die Gesamtheit des unterirdischen Lebens. Maeder hat dafür speziell angefertigte Kontaktmikrofone verwendet, um das akustische Leben der Bodenbewohner einzufangen. Ameisen, Heuschrecken und andere Arten kommunizieren akustisch miteinander, indem sie die von ihren Körpern erzeugten Vibrationen und Reibungen nutzen. Der Klang variiert mit der Beschaffenheit und Nutzung des Bodens, sodass ein Wald anders klingt als eine Wiese. Landwirtschaftlich intensiv bewirtschaftete Flächen sind dagegen eher still. Die Arten verlassen solche Bereiche wegen der Auswirkungen von Pestiziden, Kunstdünger oder landwirtschaftlicher Maschinerie.

Marcus Maeder (CH) ist Künstler, Forscher und Komponist. In seiner künstlerischen und wissenschaftlichen Arbeit untersucht er Lebensräume, Gesellschaften und Organismen unter dem Einfluss des Klimawandels anhand von ökologischen Geräuschkulissen und Akustik. Sein besonderes Interesse gilt der künstlerischen Erfahrbarmachung von Naturphänomenen. Er lebt und arbeitet in Zürich.