Earthbound — In Dialogue with Nature
Artists

Persijn Broersen & Margit Lukács

«Bark with a Trace», 2022

In Bark with a Trace untersuchen Margit Lukács und Persijn Broersen die Rolle der Fotografie bei der Konstruktion unserer Wahrnehmung von Natur im digitalen Zeitalter. Im Fokus der Arbeit steht ein Stück Rinde einer Esche, das die Künstler aus dem polnischen Białowieża-Wald entnommen haben - den letzten Überresten des größten Urwalds in Europa, der einst einen Großteil Europas bedeckte und noch immer ein stark gefährdetes Gebiet ist. Das ausgetrocknete Rindenstück, das die Künstlerin und der Künstler vor vielen Jahren aus seinem ursprünglichen Lebensraum, einem verschlungenen Netz aus uralten Pilzen, Moos, Flechten und Bäumen, mit nach Hause nahmen, trägt noch immer die Spuren seiner Geschichte, die in seine Oberfläche eingraviert sind. Broersen und Lukács haben das Stück Rinde mit einer sensiblen Fotoausrüstung genauestens abgelesen, um die feinsten Details zu erfassen, und sie durch die digitale Kombination von Hunderten verschiedener Fotografien der Rinde zu einem einzigen Bild zusammengefügt, das hier als Neuland, als unbekanntes Territorium präsentiert wird. Gezeigt wird eine Fläche, die größer ist, als das Auge normalerweise wahrnimmt, deren Tiefe aber undurchdringlich bleibt. Der begleitende Soundtrack basiert auf den mystischen Melodien der Region, dem osteuropäischen und jüdischen Erbe, in dem das Spirituelle die Welt des Materiellen und Physischen transzendiert. Sie erinnern an Klänge, die wir in einem Jahrhundert von Science-Fiction-Filmen kennengelernt haben, in denen die Menschen versuchen, das Unbekannte im Rahmen ihres Wissens zu projizieren und zu bändigen. Verstärkt oder reduziert auf eine minutiöse Kartierung ihrer schier grenzenlosen Oberfläche präsentiert uns das Künstler:innenduo ein neues Konstrukt der Natur, das seine Wurzeln noch immer in der Erde unter unseren Füßen hat.

Persijn Broersen und Margit Lukács (NL) arbeiten mit einer Vielzahl von Medien und Formaten, unter anderem Video, Animation, Skulptur, Grafik und Rauminstallationen. In ihrer Arbeit gehen sie den Ursprüngen der zeitgenössischen visuellen Kultur nach und zeigen auf, wie stark Realität, (Massen-)Medien und Fiktionen in der heutigen Gesellschaft miteinander verwoben sind. Dabei thematisieren sie die Schnittstellen von digitalen Oberflächen im Vergleich zur realen Natur und setzen sich mit Fragen der Wahrnehmung auseinander. Beide studierten am Sandberg Institut und an der Rijksakademie in Amsterdam. Ihre Werke wurden an renommierten Institutionen und Organisationen weltweit ausgestellt und mit ihren Videoarbeiten waren sie an zahlreichen Filmfestivals vertreten. Broersen und Lukács leben und arbeiten in Amsterdam.